IFG – Institut für forensische Genetik Münster, Prof. Dr. Bernd Brinkmann

Allgemeine Informationen

Im Folgenden werden (Hintergrund-)Informationen zum allgemeinen GEDNAP-Ringversuchskonzept. Die Informationen zu den aktuellen GEDNAP-Ringversuchen finden sich auch auf der GEDNAP-Homepage GEDNAP.DE.

Die Ringversuche starten i. d. R. im Mai eines Jahres mit der Registrierung. Die Proben werden ab Juni versendet. Die Befunde müssen bis Anfang Dezember eingesendet werden. Die Auswertung wird im Februar des folgenden Jahres im Rahmen des Spurenworkshops präsentiert. Ende März beginnt der Versand der Bescheinigungen über die erfolgreiche Teilnahme.

Informationen zu den GEDNAP-Ringversuchen im Jahr 2015

Der Versand der Ringversuchs-Proben (GEDNAP 50 und 51) begann im Juli 2015. Die Frist zur Online-Eingabe der Ergebnisse und der zusätzlichen postalischen Versendung endet am 14.12.2015 (23:59 MEZ).

Im Folgenden geben wir die Information für die GEDNAP-Ringversuche im Jahre 2015 wider, die in ganz ähnlicher Form auch für die folgenden GEDNAP-Ringversuche gelten werden.

I. Hinweise zu den Untersuchungsmaterialien

Der allgemeine Ringversuch besteht aus drei Referenzproben und vier Spuren, d. h.

GEDNAP 50: Person A – C; Spuren 1 – 4
GEDNAP 51: Person A – C; Spuren 1 – 4

Bitte beachten Sie, dass es sich bei den von uns angelegten Spuren um Mischspuren von maximal drei Personen handeln kann und dass als Spurenarten i. d. R. Speichel-, Blut- und Spermaspuren (sowie Mischungen dieser Spurenarten) in Betracht kommen. Die GEDNAP-Spuren können prinzipiell alle in der Fallarbeit auftretenden Spuren simulieren.

Anmerkung: Einen Teil des Originalmaterials der Proben muss jedes Labor für eventuelle Nachuntersuchungen zurückstellen.

II. DNA-Systeme, deren erfolgreiche Untersuchung bescheinigt werden kann

1. Autosomale Kern-STRs und Amelogenin*

System Allel-Bereich* System Allel-Bereich*
TH01 2-14.3 D2S1338 9-29
VWA 9-25 D19S433 4.2-19.2
FGA 13-34.2,
41.2-52.2
D12S391 13-28
D21S11 23-39 D2S441 7-18
ACTBP2 3.2-43, 48-50 D10S1248 7-20
D3S1358 8-21 D22S1045 6-21
D8S1179 6-20 D1S1656 8-21.3
D18S51 6-28 Amelogenin X/X; X/Y
D16S539 3-17

2. Ergänzende autosomale STRs*

System Allel-Bereich*
TPOX 3-17
CSF1PO 4-17
D5S818 5-19
D13S317 4-18
D7S820 4-17
Penta D 1.2-18
Penta E 4-25
D6S1043 6-26

3. Y-STRs*

System Allel-Bereich* System Allel-Bereich* System Allel-Bereich*
DYS19 8-20 DYS437 9-19 DYS576 10-24
DYS385 6-29 DYS438 5-17 DYS481 16-33
DYS389I 8-18 DYS439 4-18 DYS549 6-18
DYS389II 23-36 DYS448 13-25 DYS533 6-18
DYS390 16-30 DYS456 10-24 DYS570 9-25
DYS391 4-17 DYS458 9-25 DYS643 5-18
DYS392 3-21 DYS635 14-29
DYS393 6-19 GATAH4 7-19

4. Zusätzliche autosomale STRs# *

System Allel-Bereich* System Allel-Bereich*
D2S1360 18-33 D7S1517 15-29
D3S1744 12-22 D8S1132 11.1-28
D4S2366 8-16 D10S2325 5-20
D5S2500 8-19 D21S2055 15.1-40
D6S474 12-20

5. X-STRs # *

System Allel-Bereich* System Allel-Bereich*
DXS8378 8-16 DXS10101 23-36
HPRTB 8-18 DXS10135 12-40.2
DXS7423 12-19 DXS10079 13-26
DXS7132 9-18 DXS10103 14-22
DXS10134 27-45.3 DXS10148 12.3-14.3, 17-32, 37.1-39.1
DXS10074 3-22 DXS10146 23-36.2, 38.2-47.2

Legende zu den Tabellen 1 bis 5
*: Die Zahlenwerte geben den Bereich vor, in dem eine eindeutige Allelzuordnung erfolgen muss.

Weitere Erläuterungen s. Abschnitt V.

#: Die Auswertung dieser Systeme sowie die spätere Bescheinigung der erfolgreichen Teilnahme erfolgen nicht in       Zusammenarbeit mit der Spurenkommission.

 

III. Biostatistische Berechnung

Auch in diesem Jahr kann die biostatistische Berechnung einer Mischspur durchgeführt werden. Die Frage im Ringversuch GEDNAP 50 ist, ob eine der Vergleichsproben (Person A – Person C) als Verursacher einer Mischspur in Betracht kommt. Im Rahmen des Ringversuchs GEDNAP 51 wird die Mischspur-Berechnung als paper challenge durchgeführt. D.h. es werden Befunde für die Berechnung zur Verfügung gestellt werden.

Bitte folgen Sie beiden Berechnungsmethoden, die in den Empfehlungen der Spurenkommission (P. Schneider et al. (2006) Rechtsmedizin 16:401–404) erläutert werden.

Verwenden Sie für die Allelfrequenzen ausschließlich die Daten, die zusammen mit weiteren Informationen auf der GEDNAP-Homepage (http://www.gednap.de) verfügbar sind. Ausgewertet und bescheinigt werden ausschließlich Berechnungen, die die 15 europäischen Standard-Systeme (ESS/ISS) oder die 16 STR-Systeme der DNA-Analyse-Datei (DAD) umfassen, also TH01, VWA, FGA, D21S11, D3S1358, D8S1179, D18S51, ACTBP2/SE33, D16S539, D2S1338, D19S433, D12S391, D2S441, D10S1248, D22S1045 und D1S1656.

Der Rechenweg muss dokumentiert sein. Die verwendete Software muss benannt werden (ggf. inkl. Versionsnummer). Bitte beachten Sie, dass die Berechnung ohne den Korrekturfaktor Theta (bzw. mit einem Theta von null) durchgeführt werden muss.

IV. Hinweise zu den Ergebnis-Übermittlungen

Zur Übermittlung Ihrer Befunde hinsichtlich Bestimmung der Spurenart, Extraktionsdetails und Genotypisierung sowie Mischspurenberechnung verwenden Sie bitte ausschließlich die Internetformulare auf der GEDNAP-Homepage (http://www.gednap.de), die ab Oktober 2015 aktiv sind. Die Eingabemöglichkeit wird am 14.12.2015 um 23:59 MEZ enden. Ausführliche Erklärungen und die erforderlichen Zugangsberechtigungen werden Ihnen in einer gesonderten E-Mail zugesendet bzw. sind bereits an Sie versendet worden.

Nach Eingabe Ihrer Ergebnisse bitten wir Sie um einen Ausdruck Ihrer Eingaben als Beleg (auf der Website haben Sie Möglichkeit, Ihre Eingaben im PDF-Format auszugeben), den Sie uns, mit einem Stempel und Ihrer Unterschrift versehen und zusammen mit den originalen Labordaten, auf dem Postweg bis zum 14.12.2015 (Datum des Poststempels) zusenden.

Auch zur Übermittlung der mtDNA-Ergebnisse verwenden Sie bitte ebenfalls ausschließlich das Formular, das ab Oktober 2015 auf der GEDNAP-Homepage (http://www.gednap.de) für Sie freigeschaltet sein wird. Angegeben werden sollen – wie in den Vorjahren – die Abweichungen der Personen A–C von der revidierten Cambridge-Referenz-Sequenz (rCRS), wobei die verwendete Nomenklatur der aktuellen ISFG-Empfehlungen (W. Parson et al. Forensic Sci Int Genet. (2014) 13:134-42. doi: 10.1016/j.fsigen.2014.07.010.) folgen soll. Die Minderkomponente an heteroplasmatischen Positionen soll nur angegeben werden, wenn sie mindestens einen Anteil von 20 % ausmacht. Sollten Längenheteroplasmien (LHP) nachgewiesen werden, so soll dies unter Bemerkungen angegeben werden.

V. Allgemeine Informationen

In der Befundtabelle für die DNA-Systeme (vgl. Tab. 1 bis 6) dürfen nur die Allelwerte angegeben werden. Als Fehleingabe gewertet werden alle anderen Zeichen (z. B. OL, F, ?), mit Ausnahme des Kleiner-(<-) bzw. Größer-(>-)Zeichens.

Liegt ein Allel außerhalb des in den Tabellen 2 bis 6 angegebenen Bereichs, kann die Angabe unter Verwendung des Kleiner-(<-) bzw. Größer-(>-)Zeichens in Relation zum kleinsten bzw. größten Allel erfolgen. Zum Beispiel könnte das Allel 18 im System TPOX als „>17“ oder „18“ angegeben werden, beides wäre nicht falsch. Ansonsten muss die Allelbezeichnung nach den Richtlinien der ISFG (ehem. ISFH) erfolgen. Bitte beachten Sie, dass die Allele mit einer 1bp-Präzision angegeben werden müssen (dies bedeutet allerdings nicht, dass das o. g. Allel als 18.0 bezeichnet werden soll). Von diesen Ausführungen abweichende Allelbezeichnungen werden als Fehler gewertet.

Die Einsendung der originalen Labordaten der Ergebnisse ist für die Auswertung und Erstellung der Bescheinigungen unbedingt erforderlich. Hierzu werden die Ausdrucke der Elektropherogramme der Proben und der verwendeten Allelleiter(n) benötigt. Die Allelzuordnung muss aus den Originaldaten leicht und eindeutig ersichtlich sein, Amplikonlänge und Peakhöhe müssen erkennbar sein. Die Ausdrucke müssen eindeutig mit dem betreffenden Ringversuch, der Probenbezeichnung und Ihrem Laborcode beschriftet sein. Ausdrucke der Sequenzierelektropherogramme müssen in Analogie beschriftet werden, insbesondere muss der ausgewertete Bereich durch Angabe der Nukleotidpositionen angezeigt werden. Ferner muss der Weg vom Sequenzierelektropherogramm bis zur Angabe der Abweichung von der rCRS dokumentiert sein (u. a. durch Angabe der Software zur Generierung der Konsensus-Sequenz nach Sequenzierung auf beiden Strängen). Exemplarische Ausdrucke für eine GeneMapper-, GeneScan- bzw. Genotyper-Auswertung sowie beispielhafte Ausdrucke von Sequenzierelektropherogrammen sind auf Anfrage erhältlich.

Ohne Eingang der Original-Ergebnisse werden die Auswertung der Befundbögen und die spätere Erstellung der Teilnahmebescheinigungen nicht erfolgen können.

Bei digitaler Übermittlung der Originaldaten (z. B. CD-ROM, E-Mail-Anhang) ist eine eindeutige Bezeichnung der Dateien sowie der darin enthaltenen Proben erforderlich.

Es werden Bescheinigungen für die Module erstellt, für die Sie sich registriert haben (Spurenart-Charakterisierung, allgemeine sowie ergänzende STRs, Y-STRs, Sequenzanalyse der mtDNA-Kontrollregion, Mischspuren-Biostatistik, zusätzliche autosomale STRs sowie X-STRs, wobei die letzten beiden Module ohne Mitwirkung der Spurenkommission ausgewertet und bescheinigt werden).

Bescheinigungen können nur auf den Namen derjenigen Institution ausgestellt werden, die die Proben tatsächlich untersucht hat. Eine Untersuchung durch Dritte ist nicht zulässig. Die Teilnehmer müssen nach Beschluss der Spurenkommission eine Eigenerklärung unterschreiben, wonach ihre GEDNAP-Bescheinigung nicht von Dritten z. B. zu Werbezwecken benutzt werden darf. Sollte diese Eigenerklärung bereits im Vorjahr eingesendet worden sein, kann hierauf in diesem Jahr verzichtet werden. Sollte die Eigenerklärung nicht bis zum 14.12.2015 hier vorliegen, können eine Auswertung der Ergebnisse und die spätere Ausstellung der Teilnahmebescheinigung nicht erfolgen.

Die Eingruppierung der Teilnehmer erfolgt wie in den letzten Jahren.

Details hierzu entnehmen Sie bitte der der GEDNAP-Homepage (Link http://www.gednap.de).

VII. Spurenworkshop in Essen

Die Präsentation der Ergebnisse der Spurenringversuche GEDNAP 50 und 51 wird im Rahmen des 36. Spurenworkshops in Essen erfolgen (18.-20. Februar 2016 , http://www.r-km.de/Spurenworkshop2016).

VIII. Erfüllung der Bedingungen

Eine Zusage des von der Spurenkommission benannten Ausrichters der GEDNAP-Ringversuche zu Probenversand, Ergebnisauswertung und Teilnahmebescheinigung (jeweils einmalig) liefert die Spurenkommission dem teilnehmenden Labor dann, wenn die genannten Bedingungen eingehalten werden, die aktuelle Teilnahmegebühr beglichen wird und die anliegende Eigenerklärung dem Ausrichter der GEDNAP-Ringversuche – unterschrieben durch eine unterschriftsberechtigte Person des teilnehmenden Labors – vorliegt. Sollte eine dieser Bedingungen nicht eingehalten werden, sind eine Auswertung der übersandten Ergebnisse und eine Ausstellung der Bescheinigung(en) nicht möglich.